Wo bleiben die Socken von Google?
Standpunkt an politik@google.com zur Schattenwelt
Manchmal reicht es nicht mehr, nur Sterne zu vergeben. Manchmal muss man Ross und Reiter beim Namen nennen.
Als Google Local Guide Level 8 habe ich jahrelang meine Zeit, mein Wissen und meine Fotos in einen Algorithmus investiert, der am Ende vor allem eines produziert: Profit für einen kalifornischen Milliardär. Doch als ich versuchte, auf echte Probleme aufmerksam zu machen – beispielsweise durch Informationen zum öffentlichen Verkehr, die Frage wie besser über das Finden einer Toilette informiert wird, fehlerhafte Daten, mangelnde Unterstützung – begegne ich nur Schweigen.
Deshalb habe ich mich direkt an die Lobbyabteilung von Google gewandt, die für das Image und die politische Landschaft zuständig ist.
Meine E-Mail an Google (Januar 2026):
„Liebe Lobbyisten von Google,
Auf meine E-Mails keine Antwort, Verdacht: scheissegal, was der schreibt. So gibt es halt einen Blog, den auch andere lesen können: reisemarken.com/local-guide
Meine Projekte werde ich fortführen, in der Hoffnung, dass Google zu seinen ursprünglichen Werten zurückfindet und ähnlich wie die Migros an die Kunden verschenkt wird.
Gruss“
Warum dieser Blog jetzt existiert
Wenn ein Konzern so groß wird, und ihm die Meinung seiner wichtigsten „Mitarbeiter“ (denn nichts anderes sind Local Guides, nur eben unbezahlt) egal ist, dann stimmt etwas im System nicht mehr.
Ich habe keine Lust mehr, die digitale Infrastruktur für ein Unternehmen zu pflegen, das nicht einmal den Anstand besitzt, auf fundierte Kritik zu reagieren. Google hat den Bezug zu seinem ursprünglichen Versprechen verloren. Während wir im Regen stehen und Fotos von Cafés machen, um die Karte aktuell zu halten, fließen die Milliarden in Lobbying und Dividenden.
In diesem Artikel ziehe ich Bilanz:
- Weshalb Level 8 in Wahrheit ein „Opfer-Level“ ist.
- Wie Google die Hilfsbereitschaft der Nutzer als Gratis-Datenquelle missbraucht.
- Und warum ich meine Expertise vor allem auf meinen eigenen Plattformen pflege und
- dennoch gerne die Anwendungen von Google für meine Arbeit nutze.
Wie ich Milliarden für Google scheffle und nicht mal Socken bekomme
Man muss es sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Ich bin Local Guide Level 8. Das ist kein Hobby mehr, das ist fast schon ein unbezahlter Job Ich habe tausende Male Öffnungszeiten korrigiert, Speisekarten fotografiert und dadurch beispielsweise Touristen in Franzensbad vor «Knöllchen-Fallen» gewarnt.
Der Lohn für diese Mühe? Ein digitales Abzeichen in meiner App. Ein kleiner oranger Stern. Und sonst? Nichts. Nicht mal die legendären Google-Socken, von denen man in Foren liest, haben den Weg in meinen Briefkasten gefunden.
Willkommen in der Matrix der Gratis-Arbeit
Das Geschäftsmodell von Google Maps ist genial wie bösartig: Man nehme die Hilfsbereitschaft von Menschen, verpacke sie in ein «Level-System» (Gamification für Fortgeschrittene) und lasse sie die ganze Drecksarbeit machen.
Während wir Guides mühsam versuchen, die Karte aktuell zu halten, verkauft Google die so verifizierten Daten an Werbetreibende, wie z.B. Lieferdienste. Wir sind die Ameisen, die den Bau schleppen, während der Konzern den Honig erntet.
Damit Geld verdienen unmöglich, Google liefert keine Statistiken; vielleicht einmal, dein Bild wurde 700’000 mal aufgerufen und … Damit lässt sich kein Portfolio kreieren. Für lokale Veranstaltungen, beispielsweise zu gemeinsamen Kneipentouren via Google Maps aufzurufen, unmöglich! Oder dadurch als lokaler Reiseführer gebucht zu werden, ist ebenso nicht realisierbar. Das will Google nicht. Am Ende kommt das prekären Arbeitsplätzen in einem Konzern gleich, dessen Spezialisten sechsstellige Jahreseinkommen beziehen.
Wenn der Algorithmus die Realität ignoriert
Als Level-8-Guide sehe ich täglich, wo das System versagt. Oft sind Restaurants geschlossen oder die Öffnungszeiten der Stadtverwaltung stimmen nicht. In den Profilen wimmelt es von falschen Telefonnummern. Aber warum sollte ich?
Sobald ich versuche, als Experte vor Ort Ordnung in das digitale Chaos zu bringen, stoße ich auf eine Wand. Google will meine Fotos, aber meine Organisation einer Community wird unterbunden; ganz genau so, wie meine fundierte Kritik am System unterbunden wird. Der Riese stellt sich hier einfach quer. Man möchte uns demnach als anonyme Daten-Zulieferer behalten, nicht als mündige Experten.
Der Wettbewerber OSM (Open Street Map) ist eine wunderbare Einrichtung. Doch dazu sind wesentlich weniger Daten vorhanden. Es fehlt hier ein cleveres Geschäftsmodell. Und leider auch die Bekanntheit und Unterstützung durch die Behörden.
Die Konsequenz: Meine Expertise gehört mir
Nach Jahren des Punktesammelns habe ich eine Lektion gelernt: Echtes Wissen ist eine Währung. Deshalb habe ich mit vielen Websites begonnen, um meine Inhalte strukturiert zu veröffentlichen.
Dabei nutze ich die kostenlosen Google Apps als gute Informatikwerkzeuge und erfreue mich am Assistent Gemini. In einer Diskussion mit Gemin ist die Idee für diesen Artikel entstanden. Weiterhin nehme ich auch Einträge in Foren vor, obwohl ein direkter Austausch mit Google besser wäre. Google findet sich zumindest als Ansprechpartner mit starker Präsenz auf dem WordCamp Europe. E-Mails an Google dagegen landen im Nirvana.
Auf meinen Websites bestimme ich die Regeln und richte mich nur knapp nach Google. Irgendwie werden meine Beiträge dennoch gefunden. Mit Reisezeit.ch habe ich einen starken Auftritt als Reisejournalist. Auch sind unsere vielen Reisethemen mit einfachen Namen, wie «Kaffee», «Schoko», «Velo», «Auto», «Salz», «Vital», «Märchen» legendär.
Hier bin ich kein «Opfer» des Algorithmus, sondern ein Mensch mit Namen und echter Erfahrung.
Fazit: Spart Euch die Punkte, gebt uns Fakten
An alle, die noch fleißig Punkte sammeln: Fragt Euch mal, was dieser Stern wirklich wert ist, wenn ihr das nächste Mal im Regen ein Foto von einem Mülleimer macht, nur um das nächste Level zu erreichen.
Ich für meinen Teil konzentriere mich jetzt auf meine eigenen Marken. Natürlich pflege ich Google Maps weiter und versuche dabei auf meine eigenen Beiträge zu verweisen. Die Zahlen, die ich dadurch generiere, sind eindrucksvoll, und Socken habe ich genug. Doch von einem Konzern wie Google darf man weitaus mehr erwarten. Etwa indem Google die Google Local Guides ernst nehmen und eine Community aufbauen würde, so wie es WordPress versucht, wären das echte Lösungsansätze.


