Das Ende der Gefälligkeit als Defluencer
Sind wir mal ehrlich: Der klassische Reisejournalismus ist am Ende. Er schaffte sich selbst ab, indem er zum verlängerten Arm der PR-Abteilungen wurde. In einer Welt, in des «Overtourism» ganze Landstriche zerstört, servieren wir dem Leser weiterhin weichgespülte Hochglanz-Märchen. Damit muss Schluss sein. Die Zeitungen haben aufgehört, Recherche-Reisen zu finanzieren und möchten nur noch Reise-Werbung sehen.
Die Wahrheit verkauft sich – Nur keiner traut sich
Während Influencer mit Weichzeichner und Filtern den zehnten überfüllten Strand als „einsames Paradies“ verkaufen, frage ich mich: Wo bleibt die Realität? Wir wissen alle, dass schlechte Nachrichten die höchste Aufmerksamkeit erregen. Weshalb also verschweigen wir sie im Tourismus?
In Franzensbad habe ich es gewagt: Ich habe über ignorante Behörden geschrieben, über Einheimische, die den Gast nur noch als wandelndes Portemonnaie sehen, und über Personal, das innerlich längst gekündigt hat.
Der Preis der Wahrheit: Funkstille
Natürlich hat Ehrlichkeit ihren Preis. Wer nicht bereit ist, als kostenloser Werbetexter für Hotels zu fungieren, wird ignoriert. E-Mails bleiben unbeantwortet, Einladungen bleiben aus. Der Markt unterstützt keinen kritischen Geist, er sucht nach willfährigen Multiplikatoren.
Aber wissen Sie was? Geschenkt. Wenn das „Honorar“ für Journalismus darin besteht, die Klappe zu halten, dann verzichte ich lieber auf den kostenlosen Hotelaufenthalt. Selbst der kostenlose Hotelaufenthalt ist heute zu einem Glückspiel geworden, die Budgets fehlen angeblich.
Vom Reisebericht zur echten Vision
Wenn die Reisebranche keine Kritik verträgt, suche ich die Substanz eben woanders. Ob bei Peaceland.berlin oder als Liedermacher mit der Musikpartei – dort geht es um echte Begegnung, nicht um inszenierte Lebensfreude für den nächsten Instagram-Post.
Ich lerne jetzt das Handwerk des Defluencers. Warum?
- Weil die Leute die Nase voll haben von Fake-Paradiesen.
- Weil echter Journalismus beide Seiten braucht – vor allem die dunklen.
- Weil „Bad News“ die einzige Sprache ist, die in der Informationsflut noch Gehör findet.
Meine Frage an die Branche: Haben wir den Mut, die Fratze des Tourismus zu zeigen, oder schreiben wir uns weiter gegenseitig in den Ruin der Belanglosigkeit?


